THE MADISON Hotel Hamburg
Wir nehmen dieses Haus auf, weil es zeigt, dass auch ein Businesshotel Persönlichkeit haben kann:...
Bevor das Tortue 2018 eröffnete, war das Haus an der Stadthausbrücke 10 ein Verwaltungsbau von 1888, Teil der sogenannten Stadthöfe, fünf miteinander verbundener Gebäude um vier Innenhöfe im Herzen Hamburgs. Die Architekten David Chipperfield und Stephen Williams restaurierten die historische Fassade über zweieinhalb Jahre, bevor zwei neue Geschosse aufgesetzt wurden. Der Name des Hotels, Tortue, französisch für Schildkröte, ist Programm: Wie der Panzer eines solchen Tieres offenbart sich das Haus erst Schicht für Schicht, vom unauffälligen Eingang über die Innenhöfe bis zu den eigentlichen Zimmern und der Dachterrasse.
Drei Innenarchitekten haben am Tortue gearbeitet, und man merkt es, ohne dass es unruhig wirkt: Kate Hume zeichnet für die Zimmer und die Brasserie verantwortlich, mit schwarzen Metrofliesen und Messingdetails, während Joyce Wangs Studio dem asiatischen Restaurant Jin Gui eine eigene, ruhigere Bildsprache gibt. Dazwischen hängt Streetart von Künstlern wie Vhils neben Objekten, die an Hamburgs Verbindungen nach Frankreich erinnern. Das Ergebnis ist ein Haus, das sich nicht auf eine einzige Masche verlässt, sondern an jeder Ecke eine neue Facette zeigt, ohne die Übersicht zu verlieren. Selbst die Meetingräume und das kleine Atelier im Erdgeschoss folgen dieser Idee: funktional, aber nie steril.
Das Tortue liegt an der Stadthausbrücke 10, direkt an den Fleeten der Hamburger Altstadt, zwischen Rathaus und den Landungsbrücken. Die Mönckebergstraße und die Einkaufsmeile rund um den Jungfernstieg sind in wenigen Gehminuten erreichbar, ebenso die Speicherstadt, die sich zu Fuß in etwa einer Viertelstunde erreichen lässt. Von der Dachterrasse im sechsten Stock blickt man direkt auf die Türme von St. Michaelis, den Michel, und bei klarem Wetter bis zum Hafen. Wer mit dem Zug anreist, hat den Hauptbahnhof in rund zehn Gehminuten erreicht, und auch die Landungsbrücken mit den Hafenfähren liegen in bequemer Gehdistanz.
Preisklasse: gehobenes Segment
Atmosphäre: historisch, eklektisch, gastronomiegetrieben
Zimmer: 128 Zimmer und Suiten
Am besten für: Design- und Food-affine Reisende
Unser Favorit: die Dachterrasse mit Blick auf St. Michaelis
Gastronomie: Jin Gui (asiatisch), Brasserie und zwei weitere Restaurants
Besonderheit: Fassade und Innenhöfe eines denkmalgeschützten Verwaltungsbaus von 1888
In der Nähe: Jungfernstieg (ca. 10 Gehminuten), Speicherstadt (ca. 15 Gehminuten)
Das gastronomische Angebot ist für ein Hotel dieser Größe ungewöhnlich dicht: Im Jin Gui kocht man asiatisch inspiriert in einem von Joyce Wang gestalteten Raum mit nur vier Séparées, während die Brasserie mit schwarzen Fliesen und Marmor eher klassisch französisch-norddeutsch ausgerichtet ist. Dazu kommen weitere Bars im Haus und die Dachbar, die abends zum Treffpunkt wird, auch für Hamburger, die nicht im Hotel wohnen. Wer durch die Innenhöfe schlendert, bevor er sich für ein Restaurant entscheidet, bekommt einen guten Eindruck davon, wie viele Facetten das Haus tatsächlich hat, und an warmen Abenden füllen sich die Höfe selbst mit Tischen und Stimmen.
Die 128 Zimmer und Suiten tragen die Handschrift von Kate Hume: viel Messing, samtige Stoffe und die charakteristischen Areti-Pendelleuchten, die in vielen Zimmern über dem Bett hängen. Die Räume variieren stark in Zuschnitt und Größe, ein Erbe der ursprünglichen Bürostruktur des Gebäudes, was dem Haus eine Unregelmäßigkeit gibt, die viele moderne Neubauten bewusst vermeiden. Einige der höher gelegenen Zimmer bieten einen Blick über die Dächer der Stadthöfe bis zum Michel, während die unteren Etagen eher auf die ruhigen Innenhöfe hinausgehen.
Das Tortue passt zu Reisenden, die Geschichte und zeitgenössisches Design gleichermaßen schätzen und bereit sind, sich auf ein Haus einzulassen, das sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Foodies kommen wegen Jin Gui und der Brasserie, Design-Interessierte wegen der Arbeit von Chipperfield, Williams, Hume und Wang, und Geschäftsreisende wegen der zentralen Lage zwischen Rathaus und Hafen. Für Gäste, die ein ruhiges Rückzugshotel am Stadtrand suchen, ist die belebte, gastronomisch geprägte Atmosphäre der Stadthöfe eher nicht die erste Wahl.
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